Predigt in Bielefeld am Sonntag, 22.05.2005, 10 Uhr, Markus Merk

“Unsere Gemeinde - die Idee Gottes”
 

Ich möchte heute etwas in unsere Mitte stellen, was mich sehr bewegt. Ich habe hier etwas an die Leinwand gebracht und ich möchte über die nächste Zeit eine Predigtreihe halten, die den Obertitel hat "Gemeinde als Lebensraum" bzw. dann mit "t" in Klammern, so dass es Lebenstraum" ergibt.

Es ist ja beides nicht negativ, manchmal macht man solche Spielereien ja um einmal das Negative und das Positive darzustellen. Aber weder Gemeinde als Lebensraum ist negativ noch Gemeinde als Lebenstraum ist negativ. Man könnte höchstens sagen, Gemeinde als Lebensraum ist nicht ganz so positiv wie Gemeinde als Lebenstraum. Man kann einerseits sagen: ja gut ich bin in einer Gemeinde, das nehme ich nun mal so hin, also ist die Gemeinde in der christlichen Hinsicht mein Lebensraum, in dem ich mich so aufhalte. Oder man kann es noch positiver sagen, und kann sagen, die Gemeinde ist für mich nicht nur ein Pflichtprogramm, sondern die Gemeinde ist für mich sogar mein Lebenstraum. Und damit ist auch irgendwo verbunden, dass Gott hier eine Perspektive hat.

Und ich habe mich sehr eingehend mit diesem Thema Gemeinde beschäftigt und viel drüber gelesen, studiert und gebetet. Und ich habe mich gefragt, was ist Gemeinde eigentlich? Wenn man so an Gemeinde denkt, wenn jeder so an Gemeinde denkt, dann hat jeder vielleicht andere Gedanken. Der eine denkt an das Gebäude, der andere denkt an die Stühle, der andere denkt an unseren Beamer, der andere denkt vielleicht an den Prediger. Wieder andere denken vielleicht an ein bestimmtes Bibelwort. Und so könnte man fast meinen, dass Gemeinde so eine Art, na wie soll ich sagen, so ein Christenverein ist, den jeder so ein bisschen gestalten kann wie er möchte. Dann hört man von anderen Gemeinden - es gibt ja nicht nur unsere Gemeinde, es gibt ja viele andere auch in dieser Stadt, und dann hört man, gut die Gemeinde macht das so, und die Gemeinde macht das so und im Endeffekt hat man so den Eindruck, ja eigentlich kann das jeder so machen wie er möchte.

Und deswegen möchte ich einige Predigten zu diesem Thema halten, um uns einfach deutlich zu machen, was hat Gott eigentlich in seinem Wort als Gemeinde beschrieben und welche Vorstellung er hat, denn das ist ja das Entscheidende, dass wir nach Gottes Willen leben. Und wenn wir so als Gemeinde leben wollen und wenn wir uns tatsächlich fragen wollen, wie Gemeinde sein soll, dann müssen wir uns daran orientieren wie Gott sie haben möchte. Und deswegen ist heute das Thema der heutigen Predigt: Unsere Gemeinde, die Idee Gottes.

Erst habe ich nur gedacht "Gemeinde die Idee Gottes" und dann dachte ich: nein, unsere Gemeinde. Es geht ja nicht um irgendeine Gemeinde, es geht ja um unsere Gemeinde. Wir bauen ja nicht irgendwo Gemeinde abstrakt, sondern wir bauen unsere Ortsgemeinde. Und wenn wir wissen wollen, wie Gemeinde zu bauen ist, dann müssen wir uns natürlich fragen, ja welche Idee hat oder hatte Gott denn mit der Gemeinde? Was ist eigentlich seine Vorstellung? Denn alles, was wir machen in der Gemeinde an Vorschlägen an Ideen an Anregungen an Impulsen, muss letztlich alles an seinem Wort ausgerichtet sein. Sonst ist es ja nicht tragbar.

Und ich möchte als erstes eine Bibelstelle aus 1. Korinther 3 aufschlagen, dort spricht Paulus nämlich genau von der Arbeit im Reich Gottes in der Gemeinde und er beschreibt es eigentlich so ein bisschen wie ein Bauwerk. Das ist oft in der Bibel, dass die Gemeinde wie ein Haus beschrieben wird. Und auch bestimmte Parallelen gezogen werden. Und dann macht er in Vers 11 klipp und klar deutlich dass es nur eine Grundlage der Gemeinde gibt. Hier heisst es nämlich: einen andern Grund kann niemand legen, als den der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Also die Grundlage unserer Gemeinde und auch die Grundlage der Vorstellungen wie unsere Gemeinde sein soll oder wie sie noch werden soll, muss Jesus sein. Und auf dieser Grundlage wird dann aufgebaut, wie auf einem Fundament von einem Haus. Und es ist natürlich unser Interesse, dass wir so auf dieser Grundlage aufbauen, dass das Haus auch stabil ist. Dass wir eben nicht mit Holz und mit Stroh bauen sondern dass wir mit Steinen bauen. Mit Edelmetallen, mit Dingen die wirklich tragfähig sind. Wenn aber Jesus die Grundlage ist, dann müssen wir uns fragen: ja, woher wissen wir denn was der Wille Jesu ist? Was der Wille Gottes ist? Und Jesus, eigentlich ist das ganz einfach, hat sich ja offenbart durch sein Wort. Jesus hat sich auch offenbart durch seinen Geist, aber zu allererst hat er sich offenbart durch sein Wort. Das Wort wurde Fleisch. Und wenn wir eine jesusgemäße Gemeinde bauen wollen, dann müssen wir uns einfach an dieses Buch halten. Einfach ist gut, aber wir müssen uns an dieses Buch halten. Und an das was uns dieses Buch beschreibt.

Mose sollte im Alten Testament auch ein Haus bauen, nämlich die Stiftshütte. Ich sage immer, die Stiftshütte ist der Campingtempel der Israeliten gewesen, als sie noch nicht sesshaft waren, hatten sie die Stiftshütte, die konnten sie wieder abbauen und wieder aufbauen. Und diese Stiftshütte war im Prinzip der Ersatz des Tempels. Und Mose hat nach einem bestimmten Bauplan diese Stiftshütte gebaut. Er hat sie nicht gebaut nach einem eigenen Architekten, oder nach eigenen Vorstellungen, sondern es heisst im Hebräerbrief und auch im 2. Mose, dass er es gebaut hat, so wie es ihm gezeigt wurde. Genauso müssen wir Gemeinde so bauen wie es uns das Wort Gottes zeigt. Und wenn Mose die Stiftshütte nicht so gebaut hätte, wie Gott es gewollt hätte, dann wäre sie wahrscheinlich zusammengebrochen oder sie hätte ihre Funktion nicht erfüllen können. Auf jedenfall aber wäre Gott wahrscheinlich ziemlich unglücklich damit gewesen. Und so wollen wir ja eine Gemeinde sein die Gemeinde so baut wie Gott es möchte. Das heisst, wir müssen das, was das Wort Gottes uns über die Gemeinde lehrt, müssen wir auf jedenfall erfüllen und einhalten.

Paulus sagt in Römer 6 einmal zu den Leuten: "Ihr seid der Lehre ergeben". Ihr habt euch der Lehre ergeben. Also die Lehre des Wortes Gottes ist etwas, wovor wir uns ergeben. Hände hoch, ich ergebe mich. Ich bin bereit, alles zu tun, was du mich lehrst. Das steckt in dieser Formulierung drin. Und in Galater 6 heißt es sogar: "wer sich nach diesem Maßstab richtet, über den soll Frieden und Barmherzigkeit kommen". Also, wer sich wirklich am Wort Gottes ausrichtet, der hat die Verheißung des Friedens und der Barmherzigkeit. Und Jesus krönt die Sache schliesslich dadurch, in dem er sagt: wer auf mein Wort hört, der ist wie ein kluger Mann der sein Haus auf Fels baut und nicht auf den Sand. Denn wenn man sein Haus auf den Sand baut, kann man ein wunderschönes Haus haben, aber wenn ein Sturm kommt, wenn ein Hochwasser kommt... Ich hatte so eine Kassette als Kind, wo man dann richtig mitbekommen hat mit Geräuschen und so, wie das ganze Dinge zusammengebrochen ist, weil der Sand als Fundament nicht tragbar war.

Und es mag sein, in dieser Predigtreihe, wenn ich mir denn jetzt vorgenommen habe, ein bisschen über Gemeinde zu lehren, dass der eine oder andere denkt: Mensch, eigentlich ist das gar nicht so meine Vorstellung. Meine Meinung ist etwas anders. Dann wollen wir darüber sprechen, dann können wir gerne darüber reden. Aber das Wort Gottes ermahnt uns auch, dass wir uns widersprechen lassen sollen, wenn wir belehrt werden. Also es ist am schlimmsten wenn Leute immer Predigten hören und eigentlich nur das gut finden was sie auch schon selber glauben, aber wenn sie etwas hören, das nicht ihrer Meinung entspricht, dann war die Predigt schlecht. Also, das soll nicht sein, da will ich es halten so wie Martin Luther, der hat immer in Diskussionen, wenn er mit Leuten gesprochen hat, hat er dann so zwischendurch so ganz hämisch gefragt: wie steht es denn geschrieben? Und dann sind die Leute ganz schnell still geworden, weil sie letztlich vom Wort Gottes her die Dinge nicht belegen konnten. Und Paulus sagt uns: nicht über das hinaus was geschrieben steht. Nicht über das hinaus was geschrieben steht.

Jetzt haben wir natürlich ein eindeutiges Problem. Die Bibel äussert sich nämlich nicht zu allen Themen. Es gibt bestimmte Themen die die Bibel nicht beschreibt. Z.B. steht in der Bibel nichts davon, ob ein Christ in die Disko gehen darf oder nicht. Ganz einfach weil es zu biblischen Zeiten auch noch keine Disko gab. Ich sage deswegen trotzdem nicht, dass man als Christ in die Disko gehen soll. Weil ich nicht glaube, dass der Einfluss gut ist. Aber dann müssen wir schauen was sagt das Wort Gottes, was gibt es uns für einen Sinn. Und dann können wir Entscheidungen treffen. Und wenn Paulus sagt: nicht über das hinaus, was geschrieben steht. Dann bedeutet das vor allem, dass die Dinge, die wir erleben, die nicht in der Bibel beschrieben sind, dass wir aus diesen Dingen keine Lehre ziehen, sondern dass wir sie einfach stehen lassen. Ein Erlebnis ist ja immer wahr. Ich kann ja nicht sagen, du hast etwas erlebt, das war alles falsch. Aber selbst wenn ich ein Erlebnis biblisch nicht einordnen kann, wenn ich sagen muss: Mensch, eigentlich kenn ich das aus der Bibel so nicht, dann darf ich nicht den Fehler machen, dass ich ein Erlebnis zu einer Lehre mache. Weil ich denke, dass hat doch jemand erlebt, also muss ich da eine Lehre drum rum basteln. Sondern das Wort Gottes muss die Lehre sein und den Rest muss man eben stehen lassen. Wir haben oft das Problem, dass wir sagen: wir wollen etwas erleben. Und dann konzentrieren wir uns auf die Erlebnisse und sie können zur Lehre werden. Aber der biblische Weg ist etwas anders. Der biblische Weg ist so, dass sie uns beschreibt, dass durch das Hören des Wortes Gottes Glaube entsteht und durch den Glauben kommt das Erleben.

Und das ist eine wichtige Sache auch wenn wir über Gemeinde sprechen. Nicht, dass ihr nach den Predigten denkt: Ach ist ja alles schön und gut, aber ist bei uns doch alles gar nicht so. Umgekehrt! Wir müssen sagen, dass ist das Wort Gottes, das glauben wir, das hat Gott so verheißen und so festgelegt, und deswegen wollen wir uns daran ausrichten. Und nicht uns an dem, was wir vor Augen haben, orientieren. Jesus hat einmal gesagt: "die Schrift kann nicht aufgelöst werden." D. h. auch bei schwierigen Themen in der Gemeinde da können wir nicht sagen: Ja gut, das ist so ein bisschen komisch geschrieben, wie gehen wir damit um, aber in der und der Gemeinde machen sie es doch auch so. Eigentlich ist es doch heutzutage überall so. Das ist nicht richtig. Da begehen wir einen kardinalen Fehler, weil wir im Prinzip das Wort Gottes uns untertan machen, obwohl eigentlich wir dem Wort Gottes untertan sein müssen. Es wird oft gesagt: Erweckung beginnt mit Buße und das stimmt ja auch. Buße ist das Einsehen, dass ich gesündigt habe. Und dieses Bewusstsein bewirkt eine Erneuerung, für ganze Gemeinden.

Aber die Frage ist, woher kommt denn die Buße? Die Buße kommt letztlich aus der Verkündigung die Buße, kommt aus dem Erkennen des Willens Gottes vom Wort her. Und auch wenn wir dann erkennen, Mensch manche Dinge in unserer Gemeinde, die müssen wir ändern, die sind schief, dann müssen wir Buße tun. Dann dürfen wir sie nicht unter den Teppich kehren oder etwas ähnliches.

In der Apostelgeschichte ist uns von grossem Gemeindewachstum beschrieben. Und dort heisst es: "Das Wort Gottes wuchs und mehrte sich je mehr sie verkündigt haben." Je mehr sie das Wort Gottes verkündigt haben, desto mehr ist die Gemeinde gewachsen durch den heiligen Geist. Und als Mose sich an den Bauplan Gottes gehalten hatte und die Stiftshütte wirklich so gebaut hat wie Gott es wollte: Was ist dann anschliessend passiert? Anschliessend lagerte sich der Geist Gottes über der Stiftshütte. Das war sozusagen die Bestätigung. Genauso im Neuen Testament, nachdem an Pfingsten, eigentlich ja vorher schon am Ende der Evangelien, nachdem die Jünger dem Wort Jesu gemäss gläubig geworden waren, haben sie die Erfüllung mit dem Heiligen Geist erlebt. Es ist immer so, wir glauben an die Lehre, die Gott uns gibt und Gott bestätigt das Wort durch seinen Geist. Also: wir müssen uns an die biblische Lehre halten, wenn wir Gemeinde bauen wollen und ich denke das wollen wir.

Die Frage ist jetzt, um das jetzt langsam einzukreisen: was bedeutet eigentlich Gemeinde? Der Begriff Gemeinde ist uns ja von anderen Dingen auch bekannt. Es gibt eine politische Gemeinde oder eine bürgerliche Gemeinde, wo wir heute Morgen vielleicht schon wählen waren, es gibt eine Fangemeinde. Also der Begriff Gemeinde, der ist erstmal relativ allgemein. Er meint eigentlich erstmal eine Gruppe von Menschen, die aus irgendeinem Grund zusammen gekommen sind. Das ist eigentlich Gemeinde. Und Menschen können aus vielerlei Gründen zusammen kommen, und das ist beim Glauben an Gott eigentlich genauso. Wir lesen weder im Alten Testament noch im Neuen Testament irgend etwas davon, dass Menschen einfach gläubig werden und dann in der Gegend herum schwirren oder irgendwo sich in der Universalgemeinde befinden und vielleicht nur noch ihre Predigten durchs Radio hören oder sonst wo her. Und das Problem ist letztlich, dass es ihnen nirgends gut genug ist oder weil sie sich nichts sagen lassen wollen, oder weil sie nicht wollen, dass jemand ihr Leben sieht. Nein, die Bibel macht uns deutlich sowohl im alten Testament, wo an Gott geglaubt wurde, als auch im Neuen: Die Menschen waren immer sofort mit ihrem Glauben in eine Gruppe hinein geboren. Sofort. Ob sie es wollen oder nicht. Ob wir hier in unserer Gemeinde Mitglieder haben, oder nicht, rechtlich gesehen. Wenn sich jemand bekehrt hier in der Gemeinde dann gehört er sofort zur Gemeinschaft der Gläubigen. Und das ist ein ganz ganz wichtiger Punkt. Im Alten Testament war es sogar so, dass die Leute nur auf Grund ihrer Geburt zum Gottesvolk gehörten. Wir wissen ja, dass Israel zwar ein Glaubensvolk ist, zwar auch ein ethnisches Volk, d.h. aufgrund ihrer Geburt gehörten sie zum Volk, und so ist das bei uns auch bei denen im NT. Wir werden vom Geist Gottes von neuem geboren und gehören dadurch zum Volk Gottes. Und wichtig ist eben, dass wir es nicht nur so sehen, ja gut, da gibt's einmal den persönlichen Glauben und dann gibt es irgendwo noch das gemeinschaftliche aber der persönliche Glauben ist ja viel wichtiger.

Johanna Beilmann ist ja heimgegangen vor einer guten Woche, und nachdem ich die Beerdigung gehalten hatte unterhielt ich mich ein bisschen mit dem Bestatter und ich sagte: Mensch, was machen sie den mit den ganzen Leuten, die aus der Kirche austreten und so. Das interessierte mich, und dann sagte er so beiläufig: Um zu glauben, da brauch ich doch keine Kirche. Und das ist eine weit verbreitete Meinung. Weil man immer mehr zu dem Individualistischen kommt. Geh du deinen eigenen Weg mach was du möchtest. Jeder hat alle Möglichkeiten, ja und wenn jeder alle Möglichkeiten hat, und sie auch wahrnehmen will, ja dann ist es ja kein Wunder, dass man die Leute nicht unter einen Hut bekommt. Dann kann man gar nicht Gemeinde bauen. Einen gemeinsamen Nenner oder sogar auch mehrere müssen wir auch haben. Gott hat sich das vor Ewigkeit schon so gedacht, dass Menschen, die an ihn glauben in einer Gemeinschaft zusammen gefügt werden. Und das muss unser Bewusstsein verändern. Wisst ihr, wir sind nicht einfach nur Leute, die sich Sonntags hier eine Predigt abholen, oder ein Segnungsgebet, damit sie gut durch die Woche kommen, sondern wir sind Bestandteil dieser Gemeinschaft, die Gott  schon vor Grundlegung der Welt sich ausgedacht hat. Und wisst ihr, in unserer Gesellschaft ist es so, es gibt so viele Versuche Menschen zusammen zu führen. Und fast alle sind irgendwo ohnmächtig oder hauen nicht richtig hin. Bei unserer Art von Gemeinschaft ist es ja nicht nur so, dass wir irgendwie zusammen kommen, sondern es ist so, dass wir sogar mit Gott verbunden sind. Wenn jeder von uns eine Verbindung mit Gott hat, und eine Verbindung untereinander, dann sind wir genau diese geistliche göttliche Gemeinschaft, von der die Bibel spricht und die dann auch etwas bewegen kann. Und wisst ihr, ich sage immer: ein Christ ist eigentlich jemand, der hat schon einen Fuss irgendwie im Himmel.

Wenn Vertreter kommen, dann kommen sie ja und versuchen den Fuss in die Tür zu bekommen, wenn sie schlechte Vertreter sind, damit sie irgendwo da Zugang haben. Und wisst ihr, als ich mich bekehrt habe, da habe ich einen Fuss in der Himmelstür stehen lassen, damit ich dann Zugang habe wenn es soweit ist. Und die Bibel sagt es uns mit anderen Worten, sie sagt "unser Bürgerrecht ist im Himmel". D.h. eigentlich sind wir hier Gäste. Wir sind eine himmlische Kolonie hier auf der Erde. Wir gehören zusammen, das ist eigentlich unsere Nationalität, so wie wir hier sitzen.

Trotzdem soll man zur Wahl gehen. Schon im AT hat Gott den Leuten gesagt: ihr sollt mein spezielles Volk sein. Ganz am Anfang, als das Volk Israel gegründet wurde, als Mose dann später die Gesetzestafeln erhalten hat. Was war der Plan Gottes? Da wären die Leute selber gar nicht von selber drauf gekommen. Er hat ihnen gesagt: "Ihr sollt ein Volk meines Eigentums sein". Das war der Plan Gottes hier auf der Erde, eine göttliche Gemeinschaft zu schaffen, die einen bestimmten Auftrag erfüllt. Und später bei den Propheten Ende des AT da war es manchmal so, dass das Volk Gottes sich in einem miserablen Zustand befand. Und die Propheten haben immer wieder gesagt: Aber ihr seid das heilige Volk Gottes. Und ihr habt eine Bestimmung und ihr werdet gebraucht werden von Gott. Der grosse Unterschied vom AT zum NT ist der, dass im AT die Leute nicht wirklich eine enge Gottesbeziehung pflegten, es waren einige wenige Leiter. Aber der Geist Gottes war noch nicht ausgegossen auf alles Fleisch, sie konnten noch nicht in der Weise zu Gott einen Zugang haben wie es jetzt im NT möglich ist, seit dem dieser Vorhang zerrissen ist. Es ist eine ganz fundamentale Wahrheit. Eigentlich kann unsere Gemeinschaft von einer viel höheren Qualität auch sein. Bei uns ist die Möglichkeit, dass unsere Herzen verändert werden, dass wir eine Beschneidung des Herzens erleben, so wie es Paulus nennt. Letztlich trafen sich und treffen sich die Juden immer noch in Synagogen. Das ist eigentlich nur ein Ausdruck für eine Versammlung die einem Kult dient, etwas Gemeinsames tut und dann geht man wieder auseinander.

Als Jesus auf die Erde gekommen ist, da hat er gleich zu Anfang etwas Wichtiges gesagt. Schon in seiner ersten oder zweiten Predigt sagte er: Das Reich Gottes ist nahe gekommen. Und ich habe mich gefragt: Ja warum denn erst jetzt? Im AT gab's doch auch Reich Gottes, gab's doch Israeliten und Leute, die wirklich geglaubt haben. Aber was ist denn Reich Gottes? Reich Gottes ist dort, wo Menschen Zugang zu ihrem Leben gewähren und sagen: Gott regiere du in meinem Leben. Du sollst der Regierende sein. Wo sie sich ihm unterordnen, wo sie ihn in ihr Herz aufnehmen. Und wo solche Leute zusammen kommen, da hat Gott Raum. Gott wird heute der Zugang zum grössten Teil verwehrt. Die Menschen wollen nichts mit ihm zu tun haben. Aber dort, wo wir sind, da sagen wir ja gerade: Herr wirke, so wie du es möchtest. Und wisst ihr, das Erstaunliche ist, dass wenn wir Christen sind und wir an Jesus glauben - und wir glauben nicht nur an ihn, sondern wir identifizieren uns so stark mit Jesus, dass wir sogar ein Stückweit so werden wie er. Und deshalb nennt er uns auch seinen Leib. Wir sind sein Leib, so stark ist die Verbindung mit ihm. Und deshalb stellen wir ihn ein stückweit dar auf dieser Welt.

Und in Matthäus 16 Vers 18 da wird zum allerersten Mal im NT der Begriff Gemeinde verwendet. Da sagt Jesus nämlich, nachdem Petrus gesagt hatte: Du bist Christus der Sohn des Lebendigen Gottes. Da sagt Jesus: Auf diesen Fels will ich meine Gemeinde bauen. Nicht auf Petrus, sondern auf das Bekenntnis. Dort wo Jesus bekannt wird als Erlöser, dort ist Gemeinde.

Dieser Begriff Gemeinde was heisst der eigentlich? Ratet doch mal, was an dieser Stelle, wo Gemeinde steht, im Griechischen steht. Da steht ein wunderbares Wort: nämlich Ecclesia. Das ist der Name unserer Gemeinde. Daher kommt das Wort. Wenn ich irgendwo anrufe, sagen die Leute oft: Ach, sind sie von der Versicherung? Es gibt nämlich auch eine Versicherung, die so heisst. Aber dann kann man sagen: Nein, Ecclesia ist der griechische Begriff für Gemeinde. Und dieser Begriff wird häufig im NT verwendet und er heisst wörtlich eigentlich nichts anderes als "Die Herausgerufenen". Also die Gemeinde Gottes die Gemeinde Jesu ist aus dieser Welt herausgerufen. Wir sind herausgerufen. Und wisst ihr dieser Begriff Ecclesia, der ist ja nicht erfunden worden damals, den gab's ja bei den Griechen schon. In griechischen Städten, da gab es auch eine Ecclesia. Und die Ecclesia, das war ein Treffen, zu dem alle freien Männer kommen durften und dort so eine Art Gemeinderat hatten und diese Männer haben dann im Prinzip die wichtigsten Entscheidungen für ihre Stadt getroffen. Sie hatten also eine grosse Verantwortung. Und wenn sich in diesen griechischen Städten diese Ecclesia getroffen hat, dann hat man gerufen: Jetzt ist wieder die Versammlung dieser Gemeinschaft und dann sind sie heraus gekommen, aber es durfte nicht jeder hin gehen. Es waren Privilegierte. Es waren Leute, die ein Vorrecht hatten da hin gehen zu dürfen. Aber auch Menschen mit einer besonderen Verantwortung.

Und wenn wir das einmal aufs NT ummünzen, dann sehen wir folgendes: Gemeinde Jesu war damals ja noch ganz frisch. Wenn etwas Neues entsteht, dann kann man entweder ein neues Wort erfinden oder man nimmt ein Wort das es schon gibt und versucht das ein bisschen umzumünzen. Hier hat man das zweite gemacht. Der Hintergrund ist der: Gemeinde Jesu sind Menschen, die herausgerufen worden sind aus der Welt, aus ihrer Sünde, aus ihrem Schmutz, aus ihrem Versagen. Menschen, die Jesus als ihren Retter angenommen haben. Die sich bekehrt haben, die umgedreht haben. Die sind herausgerufen in die Ecclesia. Und die Ecclesia, die Gemeinde hat die Verantwortung für die Welt. Genauso wie damals diese griechischen Männer eine Verantwortung hatten für die Welt, so haben wir einen Auftrag in dieser Welt. Mit anderen Worten gesagt: Es macht überhaupt keinen Sinn, dass wir uns treffen oder Gemeinde sind, wenn wir nicht diesen Auftrag wahrnehmen. Dann sind wir so eine Art Selbstverwaltungsorganisation. Weisst Du, im Rathaus oder auf dem Bürgerbüro da gehe ich immer davon aus, dass die Leute dort arbeiten, weil sie einen Auftrag haben für die Kommune. Und die meisten haben das sicher auch. Aber dann gibt es immer wieder welche die stehen da nur rum. Ich will da niemandem zu nahe treten aber das fällt mir oft auf. Da kommst du da hin und dann stehen sie herum und unterhalten sich. Ziemlich lange und die ganzen Leute warten da. Und dann denk ich mir: haben die einen Auftrag oder haben sie keinen Auftrag. Ich bin doch jetzt hier und brauche Hilfe und die quatschen. Und wenn wir als Gemeinde nur zusammen kommen, um zu quatschen oder um uns zu überlegen: ja dies und jenes und alles... Dann gehen wir an unserem eigentlichen Auftrag vorbei, den wir eigentlich haben. Es ist ein Vorrecht zu dieser Gemeinde zu gehören.

Als Jesus das gesagt hatte: auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen - und dann sogar noch und die Pforten der Hölle werden meine Gemeinde nicht überwältigen. Als Jesus das gesagt hatte, da gab es noch keine Gemeinde. Wisst ihr was es da gab? Da gab es einen kleinen Haufen von Jüngern: Zwölf an der Zahl; und einer ist dann nachher noch verlustig gegangen. Dann waren es nur noch elf. Wie bei den zehn kleinen Negerlein. Zehn oder elf Jünger das war die Gemeinde und die waren alle mehr oder weniger stabil. Manche von ihnen hatten eine grosse Klappe und nichts dahinter. Andere waren relativ unreif, aber das war die Gemeinde. Und als Jesus in den Himmel aufgefahren ist, lesen wir davon, dass er sich 500 Menschen offenbart hat. Das ist schon mal eine ordentliche Gemeinde, würde ich sagen. Aber dann ist Jesus aufgefahren und hat ihnen gesagt: jetzt wartet hier in Jerusalem, dann gebe ich euch meinen Geist, damit ihr auch die Kraft habt. Ja, und dann lesen wir plötzlich in der Apostelgeschichte 1, dass nur noch 120 übrig waren. Also 380 die haben sich in der Zeit vom Acker gemacht. Die haben nicht ausgehalten. Also war die Gemeinde Jesu schon wieder auf 120 geschrumpft. Und sie waren nicht eine richtige Gemeinde. Die fühlten sich überhaupt nicht in der Lage, irgendetwas zu bewegen in dieser Welt. Sondern, was haben sie gemacht? Sie haben auf dem Dachboden gesessen und hatten die Tür wahrscheinlich dreimal zugeschlossen, weil sie Angst hatten. Und dann plötzlich nach zehn Tagen, nach zehn Tagen kommt der heilige Geist, diese unsichtbare Kraft. Und Gott erfüllt sie mit einer solchen Kraft, dass sie gar nicht schnell genug vom Dachboden auf den Marktplatz kommen konnten. Und überall verkündigten sie, was Jesus getan hat.

Ich weiss nicht, ob du da so der Typ für bist. Da sitzt man im Wohnzimmer und guckt grade Tagesschau, plötzlich runterspringen und dann da 'ne grosse Predigt halten. Das ist auch nicht so unbedingt mein Ding. Obwohl ich 'ne grosse Klappe haben kann. Da braucht man den heiligen Geist. Da brauchen wir doch diesen Drive. Diesen Antrieb. Und wisst ihr was? Die Gemeinde Jesu ist eigentlich erst richtig initiiert worden, durch den heiligen Geist. Wir kommen grad von Pfingsten, ist eine Woche her. Der heilige Geist hat eigentlich die Gemeinde erst richtig angelegt. Vorher waren sie so ein Haufen, der zusammen war und jetzt hatten sie einen Auftrag und nahmen den auch wahr. Das war so heftig, dass die Leute sie auch als Sekte bezeichnet haben. Als Abspaltung, als Exklusive. Aber irgendwie waren sie es ja auch. Und dann heisst es, durch den heiligen Geist ist die Gemeinde gewachsen. Und durch die Verkündigung. Weisst du, auch wenn du in die Gemeinde gekommen bist irgendwann, oder wenn du dich vor kurzem oder längerer Zeit bekehrt hast: Eigentlich hat der heilige Geist dich hierher geführt. Er hat dich gezogen, er hat dich geholt. Durch den heiligen Geist wächst eine Gemeinde, nicht in erster Linie durch die Aktivitäten.

Und in Apostelgeschichte 5 dann taucht wieder der Begriff Ecclesia auf. Nachdem sie gewachsen waren, nach dem sie Strukturen hatten. Sie trafen sich in den Häusern. Sie hatten Verantwortliche, sie hatten sogar schon Gemeindezucht geübt. Sie waren schon als Gemeinde etabliert. Und dann taucht wieder dieser Begriff Ecclesia auf. Jetzt waren sie eine richtige Gemeinde. Für uns als Ecclesia Bielefeld ist wichtig, dass wir erkennen, dass der heilige Geist diese Gemeinde initiiert hat. Unsere Gemeinde hier ist nicht einfach nur ein Relikt aus einer Erweckungszeit nach dem Krieg. Das sind jetzt halt noch ein paar. Sondern der heilige Geist hat diese Gemeinde initiiert und letztlich wirkt er hier. Und nicht irgendwelche anderen Dinge.

Ein Schlusswort von einem meiner Bibelschullehrer. Er sagte: Gemeinde ist das schönste und grösste das Gott geschaffen hat. Uns fehlt oft das Bewusstsein dafür. Die Bibel nennt die Gemeinde eine Braut Christi. Wir denken manchmal eher, sie wäre wie Aschenbrödel. Und jammern viel und sagen Mensch: Braut Christi, ist doch alles gar nicht so. Und das bedeutet, wir haben das noch gar nicht verstanden. Für uns ist die Herausforderung, und das ist der Punkt für heute, dass wir neu erfassen sollen, was Gemeinde eigentlich bedeutet, dass es ein Vorrecht ist zur Gemeinde gehören zu dürfen, dass die Gemeinde ein himmlisches Privileg ist. Da dürfen wir auch begeistert sein, da dürfen wir auch ein bisschen stolz drauf sein, auch wenn es andere Gemeinden gibt, die wir auch stehen lassen. Ist ja klar. Aber es geht schon darum, dass wir sagen, Mensch das ist die Gemeinde Christi und dazu wollen wir gehören. Und dazu bedarf es auch, dass wir Glauben aufbringen, dass Gottes Plan mit der Braut Christi sich auch wirklich erfüllt.
 

Unsere Gemeinde - die Idee Gottes