20070909-DerBesuch-0009KlTheater zum Nachdenken

Dover, irgendwann in der heutigen Zeit. Einer kleinen, örtlichen Gemeinde ist der Besuch des Gründers der Kirche angekündigt worden. William, Mitglied des Leitungsteams, obliegt die ehrenvolle Aufgabe, den Besuch des Gründers organisatorisch zu betreuen. Doch der Gründer erscheint, nicht etwa wie von William erwartet als Ehrengast, sondern befindet sich in aller Schlichtheit mitten in der Gemeindeversammlung. Anstatt an dem vorbereiteten, prachtvollen Feiergottesdienst teilzunehmen, durchbricht der Gründer zum Williams Entsetzen dessen Planung. Ihm ist viel mehr danach, nachdem er seinen größten Hunger mittels eines Schokoriegels gestillt hat, in einem griechischen Lokal Essen zu gehen.

Das Theaterstück "Der Besuch" wurde nach einem Roman von Adrian Plass im Rahmen eines Theaterworkshops durch "Die Aussteiger e.V" zusammen mit einem Team der FCG Bielefeld einstudiert. Eine der vier Aufführungen fand im Gemeindesaal der ECCLESIA in Bielefeld statt. Ewald Landgraf, Leiter und Hauptdarsteller (William) des Projektes, inszenierte ein Stück, das bei allem Humor durchaus auch zum Nachdenken anregte. Nachdenken darüber, was wirklich zählt, was tatsächlich wichtig ist in der Beziehung zu Gott.

So durchbricht auch der Gründer immer wieder die "heile Kirchenwelt" Williams, bis dieser ihn nicht mehr versteht. "Er ist so furchtbar menschlich, das pack' ich nicht!"
Dem Gründer ist wenig an festlichen Gottesdiensten, oder an den theologischen Fragen und teilweise völlig gegensätzlichen Wünschen der kirchlichen Organisationen gelegen. Er kümmert sich lieber um den Einzelnen, um diejenigen, die mit ihren Problemen von jenen kirchlichen Organisationen zum Teil schon aufgegeben worden sind. Seine Prioritäten liegen anders. Und er tut Wunder, nicht auf der Bühne, sondern im Verborgenen.

Für William selbst wird diese Zeit mit dem Gründer zur Nagelprobe. Nachdem der Gründer Williams Versuche, seinen Aufenthalt in Dover zu organisieren immer wieder durchkreuzt hat, fällt William über eine verborgene Leidenschaft, in der er, getrieben von seiner Verzweiflung, Trost sucht. Ihm misslingt zuletzt, aufgrund einer zu hohen Dosis schottischen Whiskys, ein Heiratsantrag, der ihm stattdessen als sexuelle Belästigung ausgelegt wird. Ohne sich rechtfertigen zu können wird William von seiner Gemeinde verstoßen. Er verlässt Dover und kehrt in seine schottische Heimat zurück, wo er einige Zeit später erneut eine Begegnung mit dem Gründer hat. Diesmal ist William offen genug, zu verstehen. Er kann seine Wut und Schuld an den Gründer abgeben und erfährt am eigenen Leib, dass es Vergebung für jeden gibt. Für alle Schuld, für alles Versagen.

Olaf Kindsgrab

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Theaterstück "Der Besuch"